Leben und Verdienste des islamischen Wissenschaftler
Ibn al-Haithams (965 - 1039)

Abu Ali al-Hasan ibn al-Haitham gilt zu Recht als einer der ganz großen Naturforscher seiner Zeit. Er beeinflußte maßgeblich die Entwicklung in der Optik und gilt als Wegbereiter für die Erfindung des Lesesteins, der letztendlich zur Entwicklung der Brille führte. Er lebte in den sogenannten „Goldenen Jahrhunderten“ des islamischen Kulturkreises, also im dritten und vierten Jahrhundert der islamischen Zeitrechnung.

Den Ausdruck „Goldene Jahrhunderte“ entstand aufgrund der zahlreichen arabischen Übersetzungen griechischer und syrischer Schriften, welche in Bagdad, der Hauptstadt des abbasidischen Kalifenreiches geschaffen wurden. Unter der Dynastie der Abbasiden (8.-10. Jahrhundert) kam es zu einer kulturellen und wissenschaftlichen Blütezeit. Diese „Goldenen Jahrhunderte“, übten einen beträchtlichen Einfluß auf die Entwicklung im Mittelalter aus.

Ibn al-Haitham erblickte 965 in Bassra das Licht der Welt und erlangte wahrscheinlich in der näheren Umgebung sein Wissen. Ibn al-Haitham schrieb mehrere Bücher über mathematische, physikalische, astronomische, medizinische und philosophische Themen. Schapurian berichtete von einer Zählung Ibn Abi-Usaibi’s (Kairo 1203-1270) über etwa 200 Werke und Abhandlungen.

Die Arbeit al-Haitams war geprägt durch Übersetzungen und Kommentare bedeutender medizinischer Schriften Galenos und wichtiger Werke der griechischen Gelehrten Aristoteles, Archimedes, Apollonius, Ptolemaeus, Euklid, Porphyrius und Diophantus.

Im 9. Jahrhundert kam es in Bagdad im „bait al-hikma“, zu deutsch Haus der Weisheit, zu reichhaltigen Übersetzungen der Schriften des klassischen Altertums in das Arabische. Das „bait al-hikma“ beinhaltete eine bedeutende Bücherei, welche Übersetzungen griechischer, persischer und indischer Werke besaß.

Das für uns wohl wichtigste Werk „Kitab-al-Manazir“ zu deutsch „Schatz der Optik“ legte den Grundstein für das optische Verständnis im Mittelalter. Ibn al-Haitham, im Mittelalter auch Alhazen genannt, teilte sein optisches Meisterwerk in sieben Bücher:

Ibn al-Haithams Beschreibung der Anatomie des Auges basiert im wesentlichen auf der Darstellung von Galenus. Ibn al-Haitham berichtet von vier Augenhäuten - Hornhaut, Sehnehaut, Traubenhaut (Regenbogenhaut), Netzhaut – und von 3 Flüßigkeiten – Kammerwasser, Linse, Glaskörper. Er bezeichnet den Ursprung des Auges im Vorderteil des Gehirnes, genauer gesagt bei zwei ähnlich hohlen Sehnerven, welche vom Vorderteil des Gehirns aus beiden Seiten des vorderen Gehirns ausgehen! Anders als seine griechischen Vorgänger (Sehen entsteht durch Strahlen die vom Auge ausgehen), erklärte er den Sehvorgang dadurch, daß Licht an den Gegenständen reflektiert wird und dann geradlinig zum Auge läuft und dabei durch alle Medien ungebrochen zum Augenmittelpunkt durchdringt. Er vermutete, daß die Augenlinse der Empfänger der Lichteindrücke ist und diese über einen Kanal zum Gehirn weitergeleitet werden. Weitere Überlegungen befassen sich mit dem Farbsehen, Nachbildern und zu Reizschwellen, d.h. ein Reiz muß einen gewissen Schwellenwert erreichen um wahrgenommen zu werden.
Das Licht braucht nach al-Haithams Annahme zu seiner Fortbewegung Zeit. Dämmerung wird von ihm auf die Reflexion des Lichtes am Himmel zurückgeführt. Den Umstand, daß die Dämmerung nur bis zu einem Sinken der Sonne unter einen gewissen Winkel am Horizont andauert, verhalf ihm zur Berechnung der Höhe unserer Atmosphäre.

Die vier letzten Bücher befassen sich mit ausführlichen Untersuchungen zur Katoptrik und Dioptrik. Er beschrieb die Wirkungsweise optischer Linsen durch die Krümmung der Linsenoberfläche. Besonderen Ehrgeiz widmete er Reflexion und Lichtbrechung. Er wies auf den Zusammenhang zwischen Einfalls- und Reflexionswinkel hin und schrieb über die Reflexion an konkaven, sphärischen und parabolischen Spiegeln, sowie an Kugeln und Zylindern. Er bemerkte beim erhabenen, konvexen Spiegel die sphärische Aberration, wiederholte Ptolomäus Versuche zur Lichtbrechung und verfaßte eine Tabelle über Einfalls- und Brechungswinkel. Er fand aber noch kein „konstantes Verhältnis“ der beiden Winkel zueinander. Bemerkt hatte er den Grenzwinkel der Totalreflexion bei Wasser zu Luft. Sein Bestreben bestand in einer Nutzbarmachung dieser Erscheinungen mittels Linsen und Spiegel. Ibn al-Haitham wies seine Beobachtungen experimentell nach.

„Der senkrechte Mittelstrahl dringt ungebrochen ein, der schräge wird gebrochen, im dichteren Medium zur Senkrechten hin, im dünneren von ihr fort.“

Er bemerkte, daß um einen kleinen Gegenstand vergrößert erscheinen zu lassen ein kristallenes Kugelelement zu verwenden ist. "Der Lesestein".

Bedauerlicher Weise fiel Ibn al-Haitham beim ägyptischen Kalifen al-Hakim in Ungnade, da er den Forderungen des Regenten, betreffend einer technischen Lösung zur Nilregulierung, nicht nachkommen konnte. Um sein Leben zu retten gab er sich als Narr aus und mußte Gefangenschaft und Beschlagnahmung seiner Güter erdulden. Erst im Jahr 1021, beim Tod des Kalifen al-Hakim, erhielt er Freiheit und Güter zurück. Bis zu seinem Tod im Jahr 1039 lebte er in der Moschee al-Azhar.

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