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    Kloster Marienberg
    Altes Benediktinerinnenkloster

Kloster Marienberg

Das 'Kloster Marienberg' ist ein ehemaliges Nonnenkloster der Benediktiner. Es liegt am Berghang südöstlich und außerhalb der früheren mittelalterlichen Stadt. Gegründet wurde es 1120 und bis 1123 als Kloster ausgebaut. Nach vielen Besitzwechseln erhielt Helga Deutsch 1996 die Anlage in einer Zwangsversteigerung.

Das 1123 gegründete und nach einem Brand von 1739 bis 1753 wieder aufgebaute barocke Kloster ist mit seiner ca. 2 Hektar großen Parkanlage als Denkmalzone unter Denkmalschutz gestellt. Bereits 1995 wurden gravierende Feuchtigkeitsschäden und 1996 die Einsturzgefahr von zwei einzelnen Bauteilen festgestellt; überdies sahen Sachverständige die baulichen Anlagen des Klosters als sanierungsbedürftig an. Im Dezember 1996 ersteigerte Helga Deutsch das Anwesen, wobei ihr Gebot deutlich unter dem festgelegten Verkehrswert blieb. In der Folgezeit ließ der Rhein-Hunsrück-Kreis nach Erlass entsprechender denkmalschutzrechtlicher Verfügungen zur Substanzerhaltung Maßnahmen an der Klosteranlage durchführen. Hierfür forderte er von der Frau Deutsch 82.431,79 €. Dieser Betrag wurde nach Abschluss eines Vergleichs auf 65.000,00 € reduziert. 2006 schätzte ein Ingenieur Büro die Sanierungskosten für die statisch-konstruktive Instandsetzung des Dachwerks über dem Kapellensaal überschlägig auf 150.000,00 €. Der Landkreis bezifferte die Aufwendungen für die Gesamtmaßnahme einschließlich der Dacheindeckung auf ca. 300.000,00 €. Am 16. Mai 2007 stellte Frau Helga Deutsch einen Antrag auf Erteilung einer denkmalrechtlichen Genehmigung zum Abriss des Klosters Marienberg. Der Landkreis lehnte dies ab. Nach erfolglosem Widerspruchsverfahren erhob Frau Deutsch Klage, die aber erfolglos blieb. Frau Helga Deutsch, so die Richter, habe keinen Anspruch auf Erteilung der notwendigen Genehmigung für den Abriss des Klosters Marienberg. Dieser Anspruch bestehe nur dann, wenn der Erhalt eines Denkmals für einen Eigentümer wirtschaftlich unzumutbar sei, was dieser darzulegen habe. Dem sei Frau Deutsch nicht ausreichend nachgekommen. Sie habe nicht nachvollziehbar vorgebracht, dass sie sich ernsthaft um einen Käufer bemüht habe und ein dem Denkmalschutz aufgeschlossener Eigentümer von dem Grundstück keinen vernünftigen Gebrauch machen könne. Zudem habe Frau Deutsch sich lediglich pauschal auf den maroden Zustand des Klosters, fehlende Mieteinnahmen und einen hohen Sanierungsaufwand bezogen, ohne hierzu nähere Angaben zu machen. Überdies ergebe auch eine Abwägung der gegenseitigen Interessen, dass die Ablehnung der beantragten Abrissgenehmigung zumutbar sei. Sie habe das Anwesen 1996 in Kenntnis des maroden Zustandes und der umfangreichen Sanierungsbedürftigkeit zu einem Preis erworben, der erheblich unterhalb des Verkehrswertes gelegen habe. Von daher habe Frau Deutsch das Risiko, die betreffenden Grundstücksparzellen nicht wirtschaftlich rentabel nutzen zu können, bewusst in Kauf genommen. Wer jedoch eine solche Gefahr sehenden Auges eingehe, könne grundsätzlich nicht ohne weiteres den Abriss eines Denkmals verlangen, wenn gewichtige öffentliche Belange überwiegen würden. So verhalte es sich hier, da es sich bei dem Kulturdenkmal „Kloster Marienberg” um eine Anlage mit einer hohen kulturhistorischen Bedeutung handele. Der Gebäudekomplex zähle zu den größten erhaltenen barocken Klosteranlagen Deutschlands, so dass ein gesteigertes Allgemeinwohlinteresse am Erhalt dieses einzigartigen Baubestandes bestehe.


     

    Historie
    zu Kloster Marienberg

Kloster Marienberg


  • 1120: Bopparder Bürger erwarben die Marienkapelle und zusätzlichen Grundbesitz und stifteten das Kloster "Mariabodenberg", das später den Namen "Hohes Kloster" führte.

  • 1125: Kaiser Heinrich V. bestätigt die Stiftung und unterstellt sie der Abtei St. Euccharius (heute: St. Matthias) bei Trier.

  • 1147: Erwähnung der "Cella B. Marie die Bopardie" in Urkunden als Besitztum der Abtei St. Euccharius.

  • 1148: Bestätigung der Stiftung durch Papst Eugen III..

  • 1200 und später: Eine starke Zunahme von Schenkungen für den Marienberg lässt darauf schließen, dass mit dem Neubau einer Klosterkapelle und später der Klosterkirche begonnen wurde; Hintergrund ist aber wohl auch, dass das Kloster Marienberg zu größerer Reputation aufstieg, weil sich die Gründung des Augustinerklosters Pedernach rheinabwärts von Boppard als Misserfolg erwiesen hatte.

  • 1212: Das Testament des Trierer Erzbischof Johann nennt die "Sorores in Bobardia" und bezeichnet damit den Charakter des Marienbergs als Nonnenkloster (Benediktinerinnen-Abtei).

  • 1225: Nennung der Marienberger Kirche als Grabstätte des Adels. Durch Zahlungen für die zukünftige Grabstätte und zusätzliche Schenkungen entwickelte das Kloster Marienberg eine beträchtliche wirtschaftliche Macht und erwarb einige Grundstücke, Gutshöfe und Weinberge.

  • 1236: Verbringung der Reliquien aus der Thebäischen Legion und der Gesellschaft der Heiligen Ursula aus Köln.

  • 1241: Weihe der Kapelle der Heiligen Anna; die Kapelle soll ursprünglich im Kreuzgang gelegen haben. Die Kapellenweihe des Jahres 1241 leitete wohl die Planungen zum Neubau einer größeren Klosterkirche ein.

  • 1275: Ausschreibung von Ablässen für das Begräbnis auf dem Klosterfriedhof.

  • 1299: Die neue, größere Klosterkirche wurde am 14. Juni 1299 geweiht. Das Kloster scheint sich mit dem Neubau stark belastet zu haben, da 1309 vom Trierer Erzbischof ein Ablassbrief zugunsten des Marienberger Kirchbaues ausgestellt wurde.

  • 1309 – 1392: Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurden in der Kirche einige Nebenaltäre aufgestellt, zum Teil in Verbindung mit den Begräbnisgrüften des Adels.

  • 1437: Die Klostervorsteherinnen wurden bis zu diesem Zeitpunkt als "Meisterinnen" bezeichnet, ab 1437 nahmen sie den Titel "Äbtissin" an. Die erste Abtissin, Isengard von Greiffenclau, führte die Reform des Abtes Johannes Rode ein und schloss das Kloster damit der Bursfelder Vereinigung ['Bursfelder Kongregation': Vereinigung reformierter Benediktinerklöster] an. Unter dieser Äbtissin vermehrte sich die Zahl der Nonnen bis 1470 auf über 150.

  • 1497: Der sogenannte "Bopparder Krieg", die Belagerung der Stadt Boppard durch den Trierer Erzbischof, wird vom Kloster Marienberg aus geführt.

  • 16. Jahrhundert: Aufgrund der soliden landwirtschaftlichen Ausstattung überstand das Kloster Marienberg die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse zu dieser Zeit relativ gut – im Gegensatz zu anderen Einrichtungen wie dem Bopparder Stift.

  • 1632 und 1646: Schäden am Kloster durch den Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648), verursacht durch schwedische und weimarische Truppen. Die Stadt Boppard hatte hohe Summen als Kontributionen aufzubringen. Es machte sich in dieser Zeit religiöse Gleichgültigkeit bemerkbar, die unter anderem dazu führte, dass der Marienberger Konvent nach 1630 auf weniger als 40 Schwestern zurückging.

  • 1662 – 1665: Wiederherstellung der Klosterkirche, Ausstattung des Chores mit neuen Gewölben und Glasmalereien.

  • 1692: Verlegung des Kirchweihfestes wegen der Bauarbeiten.

  • 1695: Verschönerungsarbeiten im Inneren der Klosterkirche.

  • 1710: Baumaßnahmen an der Klosterkirche; das Gästehaus und die Wohnung des Probstes waren 1670 eingestürzt.

  • 1725: Erneuerung der Klosterpforte und Wiederherstellung des Dormitoriums.

  • 1726: Historische Dokumente weisen die Fertigung von Zinnleuchtern für die Kirche nach.

  • 1731: Der Konvent hat nur noch zehn adelige Mitglieder.

  • 1733: Klostergarten und ein Brunnen wurden neu angelegt.

  • 1736: Kreuzgangarkaden wurden geschlossen: Anlage eines steinernen Fußbodens und einer Decke mit Holzkehle und Figuren; Umbau des Kapitelsaales und Bau einer neuen Treppe.

  • 1738: Bei einem Brand wurden die älteren Klostergebäude zerstört.

  • 1739 - 1754: Nach dem Brand erbaute man das gesamte Kloster von Grund auf im Barockstil neu.

  • 1739: Der Rohbau des Klosters wurde vollendet.

  • 1740: Die Bauarbeiten am Südtrakt begannen.

  • 1742: Der Südtrakt und die Kellerei wurden vollendet.

  • 1744: Die Äbtissinnenwohnung wurde vollendet.

  • 1752: Die Kirchengewölbe wurden verankert und die Kirche ausgeweißt.

  • 1753: Die Arbeiten am oberen Bau wurden abgeschlossen.

  • 1756: Die Gebrüder Stumm reparierten die Orgel.

  • 1759: Zwei Zimmer wurden zum sogenannten Wintersaal ausgebaut.

  • 1763: Die Mauer zur Hofstatt wurde erneuert.

  • 1765: Der Konvent beschloss, dass in Zukunft auch Nichtadelige als Chorschwestern aufgenommen werden sollten; der allgemeine Niedergang von Adelsklöstern konnte dadurch aber auch im Kloster Marienberg nicht aufgehalten werden.

  • 1768 - 1769: Das Viehhaus – ein Fachwerkbau – wurde abgebrochen und durch Thomas Neurohr neu aufgebaut.

  • 1794: Mit der Besetzung des Klosters durch die französische Armee verließen die Nonnen die Abtei. Das Kloster diente jetzt als Unterkunft für Generäle und Offiziere, später als Kaserne. In dieser Zeit wurde die Klosterkirche zerstört.

  • 1802: In der Zeit der Säkularisation hob die französische Regierung alle Klöster in den vier Rheindepartements rechtlich auf. Das Kloster Marienberg einschließlich Gebäude und Garten wurde nach der Auflösung für 14.000 Franken an Theodor Doll verkauft.

  • 1825: Die Töchter von Theodor Doll gründen im ehemaligen Kloster eine christliche Erziehungsanstalt – ein Mädchenpensionat.

  • 1839: Der Arzt Dr. Schmitz erwarb Kloster Marienberg und ließ es zu einer Kaltwasserkuranstalt umbauen. Er ließ umfassende Renovierungen hauptsächlich im Inneren des Gebäudes vornehmen.

  • 1860: Umwandlung des privaten Betriebes in eine Aktiengesellschaft, die "Kurhaus AG".

  • 1914 – 1917: Das Anwesen von Kloster Marienberg diente als Lazarett.

  • 1918: Der Ursulinenorden erwirbt Kloster Marienberg und betreibt dort eine Internatsschule.

  • 1940 - 1945: Das von der Regierung beschlagnahmte und von den Ursulinen geräumte Gelände diente als Reichsfinanzschule. In dieser Zeit wurde der barocke Schalenbrunnen vor dem Hauptgebäude abgerissen, Reste davon sind im südlichen Hof erhalten.

  • 1945: Die Gebäude erlitten Kriegszerstörungen durch Bombentreffer, insbesondere am Westflügel.

  • 1945: Die Ursulinen kehrten zurück und nahmen den Betrieb als Realschule auf.

  • 1979: Das Internat wurde geschlossen und die Schule bald darauf durch das Bistum Trier übernommen.

  • 1981: Die Klostergebäude wurden von den Ursulinen verkauft.

  • 1981 – 1984: Das Anwesen wurde von der Sekte "Transzendentale Meditation" als Akademie genutzt.

  • 1984 – 1996: In dieser Zeit wechselten die Eigentümer und Besitzer häufig; das Gebäude stand leer.

  • 1995: Der Freundeskreis Marienberg Boppard e. V. wurde mit dem Ziel gegründet, das Anwesen vor dem Verfall zu bewahren und es einer neuen Nutzung zuzuführen.

  • 1996: Das Anwesen ging bei einer Zwangsversteigerung ins Eigentum von Helga Deutsch über.

  • 1998: Das Gebäude wird der zerstörenden Kraft des Wassers preisgegeben. Türen und Fenster stehen offen.

  • 2008: Das größte Kulturdenkmal des Rhein-Hunsrück-Kreises befindet sich in einem sehr schlechten Zustand, die Eigentümerin möchte den Komplex nun gerne abreißen, wird aber durch Gerichtsurteile (Verwaltungsgericht Koblenz, Urteil vom 9. Oktober 2008, 1 K 415/08.KO) daran gehindert.

  • 2009: Der Lichtkünstler Ingo Bracke setzt mit einer Lichtinstallation lichtHIMMEL vom 2. bis 4. Oktober das Kloster nochmals in den Fokus der Aufmerksamkeit.

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