Rhein-Hunsrück-Zeitung: 16. Januar 2002

Der Künstler trennt sich jetzt vom "Gallischen Hahn"

"Weggelegt aber keineswegs gerupft" - Dieter Portugall will in neue Schaffenwelt eintauchen - Finissage in "opti art Galerie"

Der "Hausherr und sein Maler": Optiker Robert Holz (links) und Dieter Portugall
wohlgelaunt bei der Finissage in der opti art Galerie Boppard.
Foto: Rüdiger Poster
BOPPARD. Ein "Gallischer Hahn", stolz und mit buntem Gefieder, hat ausgedient. "Vorerst zumindest", meint der renommierte Künstler Dieter Portugall und erklärt damit seine Absicht, in eine neue "Schaffenswelt" einzutauchen.
Weg vom "Verspielt- Witzigem", weg von klassischen Stadtbildern, loslassen von gegenständlichen Zeichnungen, von Fähnchen, Bällen, Brillen, Fahrrädern, Mensch und Maschinen, und weg auch von seinem Lieblingstier, dem Hahn. Allesamt sind diese Bestandteile als grafische Randnotizen längst zum Markenzeichen seiner Werke geworden.
Vielleicht gerade deshalb steht der Künstler zu seinen verschiedenartigen Schaffensperioden, scheut sich nicht, Bilder aller Couleur auch auszustellen.
Wie in den vergangenen Monaten in der "opti art Galerie" in der Bopparder Bingergasse. Seit November waren dort in den Geschäftsräumen des Optikers Robert Holz Portugall´s Bilder zu sehen. Und bis zum 20. Januar noch ist dabei auch seine neue Stilrichtung in Form zahlreicher Exponate zu besichtigen.
Abstrakt und in kräftigen Farben kommt der "neue" Portugall daher, weiche Pastelltöne sind out, wenn auch die grafischen Elemente, Linien und Kreise zuweilen noch an vergangene Werke erinnern. Der eigentliche Inhalt seiner Bilder neueren Datums sind eindeutig expressiv. Gespritzte oder pastöse Farb- aufträge, bunte Wellpappen- Elemente auf breiten Feldern. Zuweilen wirken diese auf den Liebhaber früherer Werke düster und bedrohlich. "Die Welt hat sich verändert," analysiert Portugall. Und wer ihn kennt, weiß, dass der zuweilen recht exzentrische Mensch Dieter Portugall dazu verdammt ist, in seinen Bildern die eigene Gefühlswelt recht stark einfließen zu lassen. Ganz fest hält "seine Kunst" den gebürtigen Lahnsteiner gefangen.
Abstand findet er nur selten, und wenn, dann im Familien- oder Freundeskreis. Aber auch dort sucht er des öfteren die provokative Diskussion. "Weder Kunst noch Dauerwurst kann man wahllos herunterschlingen. So sollte der Kunstfreund doch nicht ständig versuchen, alles auf einmal verdauen zu wollen - muss er auch gar nicht", meint der gelernte Kunstpädagoge. Und das bedeutet für ihn: Er bietet in den Werken seine ureigenste Sicht der Dinge an und lädt zu einem Dialog mit sich und der Welt ein.
Dabei lässt Portugall bewusst in seinen Bildern zahlreiche Fragen offen, Fragen die es zu diskutieren gilt. "Das abgeschlossene Kunstwerk ist nicht meine Welt," gesteht er freimütig. "Manche Künstler erledigen ihre "Arbeit" für sich allein in aller Einsamkeit in verwunschenen Ateliers. Der Betrachter erreicht erst gar nicht den Zugang zu den Bildern. Ich aber biete an, ein Stück weit mit mir in meinen Werken herumzulaufen."
Dass es ihm ernst ist mit diesen Gedanken zeigt sein neuestes Projekt: In Koblenz- Lützel hat Portugall im liebevoll restaurierten Maifelder Hof (Neuendorfer Straße) ein "offenes Atelier" errichtet. Dort können Kunstinteressierte nach Anmeldung ein- und ausgehen und dem Künstler bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. . . . oder eben auch mal mit ihm in seinen Bildern "herumlaufen"!

Rüdiger Polster