Kunstverein Mittelrhein e.V.

     

    Wir waren dabei
    mit lichtHIMMEL über Kloster Marienberg

Lichtinstallation lichtHIMMEL, Ingo Bracke, © VG Bildkunst 2009

Der Kunstverein Mittelrhein setzte zum Festival der Projektionen und Medien in Boppard mit einer Himmelsprojektion über Kloster Marienberg, gemeinsam mit dem Licht- und Installationskünstler Ingo Bracke, ein Lichtzeichen.

Licht macht Dinge sichtbar. Licht ist der Werkstoff von Ingo Bracke. Er zeichnet mit Licht und formt daraus Skulpturen. Dafür sucht Bracke Orte in der Natur und in der Stadt, denen er ein Lichtnetz überwirft. Dabei nutzt er ausschließlich die Nichtfarbe Weiß: „Mir geht es nicht um eine stimmungsvolle Illumination der Umwelt, sondern darum etwas sichtbar zu machen Es geht nicht um das Verklären, was nicht anderes heißt, als farbenfrohen Kitsch zu produzieren. Ich hebe mit dem weißen Licht besondere Orte, ihren aktuellen Zustand und ihre Geschichte hervor. Ich beschäftige mich, wenn so will, auf meine Art mit Aufklärung.“ Das Vertraute erscheint neu, das bislang Unbekannte, gemeinhin Übersehene rückt in den Fokus der Aufmerksamkeit. Ingo Bracke interessieren besondere Orte, die ihn als Lichtkünstler herausfordern, um hieraus eine neue Skulptur im öffentlichen Raum zu schaffen. Den Loreley-Felsen hat er nach einer ersten Lichtinstallation im Vorjahr auch 2009 auf seiner GRAN.TOUR mit der Künstlerinitiative „wolkenhain.aktionen.09“ durch das Mittelrheintal erneut ins Licht gesetzt und dabei die Frage aufgeworfen, wie weit diese Ikone der Romantik sich erst im Blick des Betrachters erhellt und damit deren Mythos fortschreibt.

Gemeinsam mit dem Kunstverein Mittelrhein e.V. entstand in Boppard zur rheinpartie, auf zu neuen Ufern, vom 2. bis 4. Oktober 2009 die Lichtinstallation “lichtHIMMEL“ über dem Kloster Marienberg. Das 1120 gegründete ehemalige Nonnenkloster der Benediktiner liegt südöstlich gegenüber dem heutigen Parkdeck von Boppard. Von außen betrachtet, zeigt sich dem Betrachter ein scheinbar intaktes Gebäude. 1996 ging das Kloster in Privatbesitz über und ist seitdem in seinem Innern dem fortschreitenden Verfall preisgegeben. Brackes Arbeit setzt diesen Umgang mit einem Kulturdenkmal im Unesco-Weltkulturerbe Mittelrheintal ins Licht: Als weithin sichtbarer Fingerzeig über den bedrohten Zustand einer von Wasser geformten Kulturlandschaft, die so manchen Wasserschaden in Kauf zunehmen scheint. Bei dem Kulturdenkmal „Kloster Marienberg” handelt es sich um eine Anlage mit hoher kulturhistorischen Bedeutung. Der Gebäudekomplex zählt zu den größten erhaltenen barocken Klosteranlagen Deutschlands, so dass ein gesteigertes Allgemeinwohlinteresse am Erhalt dieses einzigartigen Baubestandes bestehe. So heißt es zumindest in der verwaltungsgerichtlichen Ablehnung für die 2008 beantragten Abrissgenehmigung. Wasser braucht keine Genehmigungen, es erfüllt auch tropfenweise seine Dienste.

Robert Holz


Diese lichtHIMMEL Projektion war von Dämmerungsbeginn bis Mitternacht an allen drei Abenden der rheinpartie zu sehen. Auf dem nahe liegenden Balz waren einige Stehtische und eine Wasser- Weintheke platziert. So wurde ein Gesprächsaustausch unter Einbeziehung der BALZ light Lichtinstallation von Gertrud Riethmüller ermöglicht.

Der Kunstverein Mittelrhein (KM 570) hatte bereits drei Lichtprojekte mit Ingo Bracke im Welterbe Oberes Mittelrheintal verwirklicht. 2006 zeigte Ingo Bracke eine Licht und Klanginstallation in der Bopparder Villa Belgrano. 2008 war er mit der Loreleyfels-Lichtinstallation "IchWeissNichtWasSoll" anlässlich der Eröffnung der Luminale im Tal der Loreley und als Kurator der Installation "IchWeissLicht" in der Bopparder Villa Belgrano vertreten.

Ingo Bracke

Ingo Bracke arbeitet seit 10 Jahren mit dem Medium Licht. Die aus vielen Hand-Zeichnungen heraus entwickelten Projektionen machen imaginäre, symbolische, gedachte und andere unsichtbare Linien in unserer Umwelt sichtbar. Im Rheintal machte sich Ingo Bracke mit seiner Projektion zur Luminale 2008 einen Namen. Mit dem Kunstverein Mittelrhein hat er einige Projekte realisiert. Weitere Installationen: Hambacher Schloss (2007), Bach-Haus Eisenach (2008), Tunnel-Installation Sydney (2009). Dieses Jahr erhielt er den Förderpreis der Stadt Saarbrücken. Ingo Bracke hat Innenarchitektur und Bühnenbild studiert und ist Meisterschüler von Prof. Christina Kubisch (Saarbrücken).

Kloster MarienbergKloster MarienbergKloster MarienbergKloster MarienbergKloster Marienberg



Sponsoren des rheinpartie Projektes lichtHIMMEL Sponsor der Aktion lichtHIMMEL Sponsor der Aktion lichtHIMMEL Mäzen des KM570: Rechtsanwälte Thieme-Garmann


     

    + in Spay
    mit Fluvius an der Alten Kirche

In Spay präsentierte der Kunstverein Mittelrhein
gemeinsam mit der Franz-Krautkremer-Stiftung
eine Video-Installation der Medienkünstlerin Helga Persel.

FLUVIUS „Fluss“

Lichtinstallation FLUVIUS Die Videoinstallation zeigte einen Wasserfall, der an der Fassade der Alten Kirche in Spay herunterfloß. Wasser als bewegtes Element trifft auf die harte Fläche des Gebäudes, ohne es substantiell zu verändern, wie das geschähe, wenn der Stein tatsächlich solchen Wasserströmen ausgesetzt wäre.

Die Kirche liegt unmittelbar am Rheinufer, ihre Geschichte ist eng mit dem Fluss verbunden. Die Fundamente stammen noch von einem Wachturm aus römischer Zeit, das Gebäude war Teil der Grenzsicherungsanlagen. Nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums wurde um 1000 auf den Trümmern des Turmes eine christliche Kirche errichtet. In den Umbrüchen des Dreißigjährigen Krieges wird der Bau zerstört und im späten 17. Jahrhundert wieder aufgebaut. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Gebäude nicht mehr als Kirche sondern als Konzert- und Veranstaltungssaal genutzt.

Projiziert wurden Flusspassagen des Rheins, die allerdings am Flusslauf oberhalb des Standortes der Kirche aufgenommen wurden (Rheinfall bei Schaffhausen). So wurden neben der historischen Dimension auch die aktuell erfahrbaren Zeitverläufe assoziiert. Das medial konservierte Flusswasser wurde zu einem Zeitpunkt projiziert, zu dem es real schon längst an der Kirche vorbeigeflossen war. Der Fluss als konstante Größe neben den historischen Veränderungen des Gebäudes wurde so auch als flüchtiges Element erfahrbar. Der Fluss ist immer da, aber immer ein anderer. So konnte die Installation auch als Vanitaschiffre gelesen werden.

Helga Persel in Mainz lebende Fotografin studierte in Mainz und Wien Bildende Kunst und Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkten Fotografie und Serigrafie. In ihren fotografischen Arbeiten setzt sie sich mit der menschlichen Wahrnehmung und den Mechanismen medialer Vermittlung auseinander.


Das rheinpartie panorama über 67 Kilometer Länge in einer Orientierungskarte



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