25. Juni bis 10. Aug. 1996

Dem Voyeur ins Auge geschaut

Aloys Rump präsentierte nach Projekt in Rottweil neue Bild-Objekte in Boppard


BOPPARD. Da ist es, das Auge. Der Blick auf das Objekt seiner Begierde - den weiblichen Körper hinter ihm aus perforierten Linien - schielend. Doch die Silhouette entzieht sich dem Blick, will nicht Gestalt annehmen. Kugeln kreisen in der runden Box, finden in einem Moment der Balance ihr Ziel, verlieren den Halt, trudeln weiter: eine Sisyphusarbeit der Rekonstruktion, eine wahre Last mit der Lust. Starr bleibt die Pupille - zwanghaft auf den Betrachter gerichtet. Der schaut dem "Voyeur" ins Auge.

Das Geduldsspiel - es ist ein Spiel mit der Ungeduld, das Aloys Rump da treibt. Dazu hat der Bopparder Künstler die uns aus der Kindheit vertrauten Mini-Boxen mit den Kügelchen ins Überdimensionale dimensioniert. Faites vos jeux - die Kugel kann rollen.

Gerade erst vom Symposion "Rottweiler Sommer" zurück, bereitete Aloys Rump (47) schon seine nächste Ausstellung vor. Diesmal vor der Haustür. Zu den Kreiskulturtagen zeigte er in der "opti art Galerie" Bilder und Objekte. Darunter - als Hommage an den Ausstellungsort Alte Synagoge in der Bingergasse - "Kristallnacht".

Furore machte der Kunstschaffende vom Rhein beim Rottweiler Sommer mit seinen vielbeachteten Versuchen, Kommunikationsprozesse im Medienzeitalter zu visualisieren. Rump faltete Schiffchen aus aktuellen Tageszeitungen, ließ sie als Informationsträger im Nachrichtenfluß schwimmen.

Ein zweite Realisierung Rumps zielte erneut auf das Thema "Zeit". Er installierte über Uhrenkästen acht frei an Stahlseilen schwingende Eisenplatten. Die Sekundenzeiger der Zifferblätter zerschneiden und durchfurchen eine Staubschicht aus Oxyd: Sie teilen das Zeitkontinuum. Dieser sichtbare Prozeß setzt sich akustisch um: Ein Lufthauch, ein Passant genügen. Die Platten stoßen aneinander, erzeugen einen Klang. Dann wieder Stille - Klang - Stille.

Wer nicht so weit fahren möchte, hat Gelegenheit sich eine von Rumps frühen Zeit/Raum-Installationen zu betrachten. Das "sec.sec." betitelte Werk ist im Treppenaufgang des Bopparder Stadtmuseums zu sehen.

Frau Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach führte in die Werke des Künstlers ein.

Ernst-Peter Strauch (RZ)