Auszug der Ansprache anlässlich der Gedenkausstellung zum 130. Jahrestag der Einweihung der ehemaligen Bopparder Synagoge

Synagoga

Robert Holz bei der Begrüßungsansprache zur Vernissage der Gedenkausstellung am 6.9.1997

Gedanken zum "Denk-Mal" Ort



Am 6. September 1867 wurde nach fünfjähriger Bauzeit die Synagoge feierlich eingeweiht. Damit erhielt die 1853 gegründete Bopparder Jüdische Gemeinde ihr eigenes Gotteshaus. Wenn man sich heute umschaut an dem Ort, an dem sich der einstige Synagogenraum befand, fragt man sich: was haben dieser Raum und die Galerie noch mit der ehemaligen Synagoge gemeinsam? Und man wird feststellen, dass es wahrlich nicht viel ist. Wenn man jedoch bedenkt, dass noch vor allzu kurzer Zeit das Gebäude dem Vergessen preisgegeben war, sehen Sie heute sehr viel von seiner ursprünglichen Bestimmung.

In Bleiverglasung festgehalten: Die einstigen Bögen der drei markanten Bogenfenster des Synagogenraumes
Bleiverglasung, die auf die damaligen
markanten Bogenfenster hindeutet
einziges Foto einer alten Ansicht des Synagogengebäudes
Einziges Foto einer alten Ansicht
des Synagogengebäudes

Sie sehen einen Denkmalort! - Ein Ort des Gedenkens, der Erinnerung und der Mahnung. Ein Denkmalort, der sich allmählich wieder in die Kulturgeschichte der Stadt zu integrieren scheint. Ein "Denk-Mal", zu dem nicht nur die Spuren der Erbauung und Zerstörung gehören, sondern auch die der Umnutzung und des Umbaues, die meines Erachtens unmissverständlich zum "Lebensschicksal" des Hauses gehören. Das Gebäude wäre kein Zeugnis zur Förderung des geschichtlichen Bewußtseins, wenn ausschließlich sein originärer Zustand bezeugt würde.
Für mich war es sehr wichtig, mit der Renovierung des Gebäudes auch die Geschehnisse nach 1945 zu dokumentieren. Hierzu gehören auch die Nutzung als Schreinerei von 1951 bis 1979, sowie der Umbau zum Wohnhaus von 1980 bis 1984. Wenn auch gerade dies die Punkte sind, die für das Landesamt für Denkmalpflege ausschlaggebend sind, das Gebäude nicht als Kulturdenkmal anzuerkennen, bereue ich es nicht, bei den Renovierungsplänen eigenes Gedankengut einfließen gelassen zu haben.

Ort des Frauenbalkones heute Thora-Nische heute



s sind die Verweise:

- auf den einstigen Sandsteinboden,
- auf das einst im Synagogenraum verarbeitete Holz,
- auf den Ziegelsteinbau
die den einstigen Charakter des Hauses widerspiegeln.

s ist der Ort, nicht der Raum, der an die alte Synagoge zu erinnern vermag.
s ist der Hinweis "Alte Synagoge" auf dem Schild mit der Hausnummer 35 -

s ist der Basaltstein über dem Galerieeingang mit dem Davidstern und den Jahreszahlen 1867 - 1938 der Einweihung und Zerstörung, der zum Denk-Mal animiert.

Hausnummer 35 - Alte Synagoge


Abschlußstein über dem heutigen Eingang


Robert Holz

Auszug aus der Ansprache anlässlich der Gedenkausstellung
zum 130. Jahrestag der Einweihung der ehemaligen Bopparder Synagoge



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Bopparder Synagoge Kein Kulturdenkmal
SACHOR 1994
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Ansprachen anläßlich der Gedenkausstellung
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