27. April bis 13. Juni 1997

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Kunst an der Wand durch die "phantastische" Brille betrachtet

Ursula Hülsewig und der Designer Sigmar Bergauer stelten in der "opti art Galerie" in Boppard aus

"Surrealistische Phantasterei" zeigte die Künstlerin Ursula Hülsewig vom 27. April bis zum 13. Juni 1997 in der opti-art-Galerie. Zur gleichen Zeit präsentierte der Österreicher Sigmar Bergauer seine aktuelle Brillenkollektion.


"Kunst vor Augen" macht in der alten Synagoge in Boppard doppelt Sinn. Augenoptiker und Galerist Robert Holz sucht hier unter dem Slogan die Verbindung zwischen dem Kunstwerk an der Wand und dem Sehwerkzeug, das eigentlich auf die Nase gehört, dank ansprechendem Design aber auch selber zum ansehnlichen Gegenstand der Betrachtung werden kann. Diesmal stelte der Österreicher Sigmar Bergauer diese Kunstfertigkeit unter Beweis. Seine phantasievollen Brillenentwürfe, die schon in Paris, New York und Mailand Furore machten, bildeten den dekorativen Rahmen für die Kunstwerke der aus Gelsenkirchen stammenden Künstlerin Ursula Hülsewig.

Ursula Hülsewig studierte von 1955 bis 1961 in Saarbrücken und Köln Kunstgeschichte, Germanistik, Geschichte und Philosophie und ist seit 1966 freischaffende Künstlerin. Ihr Werk zeugt vom bewußten Umgang mit den Stilmitteln der verschiedenen Epochen. Robert Holz lobte zur Eröffnung der Ausstellung die "altmeisterlich anmutende Präzision der Zeichnung und des Farbauftrages" in den Ölbildern. Die surreale Bildsprache fabuliert hier eine Welt, die sich außerhalb der bekannten Sehgewohnheiten mitteilt. Es entstehen poetische Entwürfe einer veränderten Wirklichkeit. Die Dinge finden ihre eigene Ordnung, werden lebendig in Masken, suchen Verstellung in Scharaden - "Maske kosmisch" und "Kapriziös" die Titel.

"Studien zur Wirklichkeit" nennt Ursula Hülsewig eine Reihe von Radierungen und Lithographien. Die Künstlerin löst sich hier erklärtermaßen von vorgegebenen Modellen. Spontane Bewegung läßt nach eigenen Begriffen "Erfindungszeichen" entstehen. Sichtbar werden Experimente, bei denen die Farbe die von der Nadel umrissenen Konturen sprengt. Indem die Farbe dem Diktat der Form entgeht, wird sie selbständiges und aussagekräftiges Medium der Bildgestaltung.

Ingo Lips Rhein Zeitung